RWS-Geco-Danzig - Patronensammlervereinigung

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RWS-Geco-Danzig

Patronengeschichte

Die Patronenladestation der RWS - Geco in Danzig von 1930 - 1940

Bereits in der Chronik "100 Jahre Stadeln" wurde unter "Zweigbetriebe" der Betrieb in Danzig aufgeführt. Ein prall gefüllter Ordner mit Schriftverkehr zwischen Danzig und dem Patronenladebetrieb der RWS in Stadeln, damaliger Leiter Herr Flammersfeld, wurde ausgewertet.
Als Polen 1929 einen Zollkrieg gegen das Deutsche Reich eröffnete, geriet die Firma "Diana Waffen- und Munitionsbetrieb in Danzig", die die Vertretung von Genschow und RWS besaß, in Schwierigkeiten. Der Zoll auf fertige Produkte betrug 168 $ / 100 kg, also ca. 7 Reichsmark / kg, d.h. der Zoll betrug das 2-3 fache des Einstandspreises der Patrone. Man entschloss sich daher, für die gängigsten Patronen eine Fertigung in Danzig aufzubauen, die Komponenten sollten von Stadeln geliefert werden (Zoll RM 0,40 / kg). Maschinen und Werkzeuge wurden Ende 1929 auf den Weg gebracht, auch ein Fertigungsmeister aus Stadeln (Herr Trautner), ging nach Danzig . Die Fertigung begann mit Revolverpatronen .320, .380, Lefaucheuxpatronen 7 und 9mm, Flobertpatronen 6 und 9mm, sowie Pistolenpatronen 6,35 und 7,65 mm, dazu Luftgewehrkugeln verschiedener Kaliber.
Als Fertigungsgesellschaft wurde eine RWS - Geco, Munitionsgesellschaft für Polen gegründet. Im Briefkopf erschien der Zusatz "Spolka Amunicyjna dla Polska". Leiter war ein Herr Nagulski, Vertreter Herr Schipulle, beide auch für die unter gleicher Adresse laufende Gesellschaft "Diana".


9. Dezember 1929
Die erste Anforderung von Maschinen zum Laden von Patronen aufgrund des Zollkrieges.
März 1930
Seitenlange Auflistungen von Maschinen und Werkzeugen.
Über die Kennzeichnung der Munition wurde lange debattiert. Es sollte der Stadelner Fertigungsschlüssel benutzt werden, mit einem zusätzlichen "D" für Danzig. Die Gummistempel dazu wurden von Meister Trautner mitgebracht. Herr Winter/Geco schlägt vor, das "D" bei den Pistolenpatronen wegzulassen. Auch das Anbringen von Sternchen wurde diskutiert. Geschosse sollten ein "D" auf dem Boden erhalten. In den ausführlichen Werkzeuglisten ist kein spezieller Pressstempel dafür aufgeführt. Aus den Unterlagen ist nicht ersichtlich welche Regelungen im Endeffekt getroffen wurden.
7. Juni 1930
Der Senat der Freien Stadt Danzig gestattet die Fertigung der Pistolen- und Revolverpatronen.
7. Juli 1930
Der Stadelner Fertigungsmeister Herr Trautner ist in Danzig eingetroffen und sofort an die Einrichtung der Maschinen gegangen. In 4 - 5 Tagen sollte die Fertigung beginnen.
29. August 1930
RWS Niederlassung Berlin schreibt an Stadeln: Der Betrieb in Danzig läuft gut und scheint sich der Meister Trautner ganz geschickt zu betätigen: "... vorgestern wurden 45 000 Pistolenpatronen fertig. Um die Lieferung der neuen Verpackung mit "Schiebe- Innenkarton" von Durlach wurde gebeten. Mantelgeschoße werden vom Zoll als Munition eingestuft mit wesentlich höheren Zollgebühren. Es wird um die Lieferung einer Vorrichtung zum Fertigpressen von Pistolengeschossen gebeten. Bleikerne und Geschossmäntel sollen geliefert werden."
3. September 1930
Durlach schreibt an RWS: Die Lieferung unserer Durlacher Original-Packung hängt von ihrer Verfügung ab. Wir würden es natürlich lieber sehen, wenn dieselbe wenigstens äußerlich, vielleicht durch die Farbe, von der hier in Durlach zur Verwendung kommenden abweicht.
Die Lieferung einer alten Maschine zum Geschoßpressen wurde nach Überprüfung zugesagt, ausgelegt für 5000 Geschoße stündlich. Dazu eine Maschine zur Geschossrillung.
Königsberg (?) - vermutlich die Behörden - schreiben ausschließlich Eisen bzw. kupfernickelplattiertes Eisenmaterial für Geschossmäntel vor und nehmen wir an, dass dieses auch für Danzig verlangt wird.
11.September 1930
Bestellung für Danzig: 100 kg Haslocher Pistolenpulver 42 b, 150 kg WPP grün
Walsroder Pistolen - Pulver. 1 Million Geschoße 6,35mm und 500 000 7,65mm.
16. September 1930
Genschow schreibt an RWS: ... "wir haben ca. 30 000 Hülsen beider Kaliber (6,35 u. 7,65)fertig, haben aber keine Bedenken, diese für einen anderen Exportauftrag einmal zu verwenden, denn die Hauptsache ist ja unser Firmenzeichen "Geco" und die Kaliberbezeichnung und zweifeln wir daran, dass irgend ein Kunde den Unterschied, dass anstelle der beiden "D" die Sternchen stehen, beobachten wird". Originaltext. Wer sie wohl geladen hat, Durlach oder Danzig?
17. November 1930
Überprüfung der Lignoza-Schwarzpulver Katowice, Körnung 1,2 und 3.
8. Dezember 1930
Da der Handelskrieg eskalierte, wurden Versuche mit Hülsen (Flobert) von Hirtenberger und Pieper unternommen. Eintreffen der 6,35 und 7,65mm Messinghülsen von der Fa. Pieper, Herstal in Danzig.
15. Dezember 1930
RWS-Geco Danzig schickte 6 und 9mm Flobert Rundkugel und Schrot, .320 und .380 Revolver, 6,35mm und 7,65mm zur Prüfung nach Stadeln. Das Ergebnis im Originaltext:
"Zusammengefasst geht das Urteil über die Danziger Patronen mit den Hirtenberger Halbfabrikaten dahin, dass die Munition in der jetzigen Ausführung nicht an die frühere Qualität heranreicht. Zum Teil sind die Patronen nicht lehrenhaltig, z.T. ist die Treffgenauigkeit schlechter und der Gasdruck höher. Der geringere Durchschlag bei 6 u. 9mm Flobertschrotpatronen dürfte auf ein fauleres Pulver zurückzuführen sein, wodurch sich auch die in erheblicher Menge auftretenden Rückdämpfer bei 6mm Schrotpatronen erklären dürfte. Bedenklich sind die Versager bei 9mm Flobert Schrotpatronen ebenso die Ladehemmungen bei Selbstladepistolen Cal. 6,35 und 7,65mm. Der Zündhütchenausfaller bei Central .380 hat seine Ursache entweder darin, dass die Zündglocke zu weit und/oder der Durchmesser des Zündhütchens zu klein ist.
Unter diesen Umständen sollte auf jeden Fall das Etikett, welches den Aufdruck "RWS-Geco" trägt und damit unsere Firma als Herstellerin angibt, in Fortfall kommen, wenn wir nicht unseren guten Namen in Misskredit bringen wollen. Auch in neutraler Aufmachung sollten obige Kaliber nicht hinausgegeben werden". Soweit der Originaltext.
Auch die graue Pappe wurde als sehr schlecht bezeichnet. Die von Danzig vorgeschlagenen Markennamen "Buchel" und "Hasel" wurden abgelehnt.
27. Oktober 1931
Stadeln liefert "eine Anzahl Bleigeschoße" für .320, .380 und 7 und 9mm Lefaucheux.
25. November 1931
Das Warschauer Finanzministerium hat die Einfuhr von Pulver nach Danzig oder Polen verboten.
NC-Pulver, wurde als Kartuschen deklariert, in Hülsen Kaliber 4 nach Danzig geschickt. Polnisches Schwarzpulver war erhältlich und wurde verwendet.
4. Januar 1932
Angebot der Firma Eugen Minke Posen über Kupfermantelgeschosse 9,3x20 - 12,8g. Weitere im Kaliber 6,6, 7 und 8mm mit Bleispitze. "Dazu ein neues Flintenlaufgeschoss "Turbo" welches in jeder Beziehung dem Brenneke Mod. C überlegen ist". (Originaltext) Es wird vermutet, dass die Maschinen und eventuell ein Angestellter von Teschner kamen.
7. Januar 1932
Lehren-Anfertigung für die Kaliber .44 S&W R und Patrone 08.
15. Januar 1932
Die Schupo Danzig hat einen Bestand von 400 000 Stück 7,9 mm S-Patronen, die einen erheblichen Prozentsatz Versager ergeben. Ein Umlaborieren wurde von RWS abgelehnt.
19. Januar 1932
Die Danziger Schutzpolizei stellte einen Auftrag über 7,9 mm Mauser Platzpatronen in Aussicht. Die gelieferten beschossenen Hülsen sollten im Gewehr und MG verwendet werden. Geladen wurde ein Papiergeschoß ohne Pulvervorlage. Die Hülse bekam eine neue Rille ca. 20 mm über dem Boden. "Eine sogenannte Einheitsplatzpatrone" (Zitat), verpackt in 25er Schachteln.
8. März 1932
Von Danzig nach Stadeln 650 leere Papphülsen Kal. 4 zum Pulverversand abgeschickt.
26. April 1932
Diana Danzig schreibt an Stadeln "Wir erhielten vor einigen Tagen von den staatlichen Pulverfabriken in Zagozdzon einige Proben Pulver, dessen Fabrikation vor kurzem neu aufgenommen wurde". Zur Qualitätsprüfung nach Stadeln abgeschickt.
19. Dezember 1932
Wunschgemäß werden wir Ihnen nach Neufabrikation die von Stadeln gewünschten 500er Luftgewehrschachteln übersenden und künftig bei Bestellung neuer Schachteln diese mit dem Aufdruck RWS-Geco versehen...(Originaltext)
10. Januar 1933
Nach Danzig gehen u.a. "6 Pressstempel mit Punkt im Herz" für 4,5 mm Luftgewehrkugeln.
27. Januar 1933
Der Betrieb Stadeln liefert je 200 Geschossmäntel und Bleikerne für 9 mm kurz und 9mm/ 08
28. März 1933
Werkzeugbestellung zur Fertigung von Pistolen- und Revolvergeschossen.
9. Februar 1934
Diskussion über die Lieferung von leeren Satzhülsen Kal. .22 an die Warschauer Jägergesellschaft (Munitionsfabrik).
19.September 1934
Geplante Fertigung von Schermer-Patronen Mod.30.
21. November 1936
...Es ist dies ein Steckenpferd des Herrn Nagulski (Zitat) eine Randfeuerpatronenfertigung einzurichten. Auch die Laborierung von Büchsenpatronen ist geplant. Ebenfalls die Lieferung der neuen Alu-Hülsen für Pistolen- und Revolverpatronen. Hauptsächlich zur Gewichtsersparnis bei den Zollgebühren.
23. Januar 1937
Aufgrund der großen Nachfrage nach Schlachtpatronen wird die geplante Fertigung von Kleinkaliberpatronen in das Jahr 1938 verschoben. Wurde in Nürnberg fast mit Freude aufgenommen.
Ab 1. Januar 1937 wurde in Polen das rituelle Schlachten verboten.
29. Mai 1937
Danzig hat 1,4 Millionen Hülsen für Schlachthauspatronen bestellt. .230, .320, .380.
6. Oktober 1937
Das Landwirtschaftsministerium in Warschau hat die Firma S. Nakulski in Gnesen um eine Offerte zur Lieferung von Viehbetäubungsapparaten im Kaliber 6x11/.230 gebeten, zum Töten von tollwütigen Hunden. Gefordert wurde, dass der Apparat an einem langen Rohr und an diesem Rohr eine besondere Abzugseinrichtung angebracht sein muss.
15. Januar 1938
Von Stadeln kamen Ladeangaben für die Kaliber .442, .450, 8mm Lebel jeweils Schwarz- und rauchloses Pulver.
13. Juli 1938
Aufgrund des Vorhandenseins von größeren Mengen Pulver NP 2692 ,wurde erwogen, die Patronen 9 mm kurz, 08/9mm, Nagant Russe, 7,63 mm Mauser mit diesem Pulver zu laden. Bisher wurde polnisches Pulver verwendet.
20. Oktober 1938
Danzig/Herr Nakulski fordert eine Einrichtung zum Abdichten von Pistolenpatronen.
21. Dezember 1938
Die Direktion Nürnberg hat keine Bedenken gegen die Bekanntgabe bezüglich der Zusammensetzung des Lackes für "öldichte Pistolenpatronen".
Anfang Juli 1939
Meister Trautner ist erkrankt, Holtzmann geht nach Danzig.
1.August 1939
Es wird vermutet, dass Meister Trautner den kleinen Betrieb Danzig nicht mehr leiten kann. Er war seit Juli 1930 im Betrieb und hatte noch niemals Urlaub. Er hat für "seinen" Betrieb die Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Auch im Krankenstand war er noch im Betrieb zu finden. Er kehrte im Oktober nach Nürnberg zurück.
1. September 1939
Einmarsch der Wehrmacht in Polen.
18. September 1939
Vorschlag Meister Trautner zu pensionieren. Er war seit 1902 bei der Firma.
10. November 1939
Entschluss der RWS AG Nürnberg Danzig stillzulegen.
5. Februar 1940
Aufgrund der verstärkten Herstellung von Heeresmunition in Stadeln und der Erkrankung weiterer Meister wird die Rückkehr von Holtzmann, der ja nur kurze Zeit Meister Trauner vertreten sollte, gefordert.
9. Februar 1940
Ein Schlachtapparat für die 8mm Blitzbetäuberpatronen , die .320 zugefaltet, ist in Stadeln zur Ladungsermittlung eingegangen.
22. Februar 1940
Die in Stadeln ermittelte Ladung für die Schlachtpatronen .230 zugefaltet beträgt 0,23 g N.P. 2692
24. Februar 1940
RWS an Diana Danzig. "Mit Verbleib Holtzmann bis Mitte März einverstanden".
30. Mai 1940
Hülsenrücksendung nach Stadeln: 114 000 Central .230, 5800 .44 S&W Russian gerillt, 10 000 9mm kurz, 15 000 Geschoße ohne Rille. Für die .230, auch als 6x11 bezeichnet, gibt es keine Verwendung. Die Pistolenkomponenten gingen nach Durlach.
10. Juli 1940
Die Schrotladeeinrichtung in den Kalibern 12, 16, 20 aus Danzig wurde nach Überprüfung und Teileergänzung an die neu gegründete Firma Armun S.A.R. in Bukarest Rumänien geliefert.
24. Juli 1940
In Stadeln gingen aus Danzig ein: 128 kg Nudelpulver No. 2692 in Kisten. Die Prüfung ergab die Verwendungsmöglichkeit.
25. September 1940
Aus Danzig sind eingegangen: Pappschachteln für 9mm Blitzbetäuber in brauchbarem Zustand sowie diverse Sorten Flobertblechschachteln die verbeult und unbrauchbar sind.
25. November 1940
4015 Kilogramm Bleidraht von Diana Danzig in Stadeln eingetroffen. Schlechter Zustand, wurde umgeschmolzen um neuen Bleidraht zu pressen. Es sollen 5,5 Millionen Luftgewehrkugeln für den Auftrag von Diana GmbH, Waffen- Munitionsvertrieb Danzig hergestellt werden.
Leider sind in den Unterlagen keine eindeutigen Beweise zu finden, was genau gefertigt wurde und wie Hülsen, Geschosse und Schachteln gekennzeichnet waren.
Am Anfang der Fertigung in Danzig und durch die weiten Lieferwege waren wahrscheinlich nicht immer die richtigen Hülsen, Geschosse und Schachteln vorrätig. Es gab dann mit Sicherheit Notlösungen.
Wir würden uns über die Mitteilung von Patronen und Schachteln, die aus dieser Zeit stammen, freuen.

Quelle: ein Ordner des RUAG-Archivs

 
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